Theorie

Über das Licht und den Schatten

Was ist Licht? Je mehr wir uns mit ihm beschäftigen, um so rätselhafter wird es. Texte zu den Eigenarten des Lichtes, zum Wesen des Schattens — und zu den Männern, deren Mut uns half, beides besser zu verstehen.

Teil I

Licht

Was ist Licht? Je mehr wir uns mit ihm beschäftigen, um so rätselhafter wird es: Es lässt uns sehen und wir spüren es, können es aber nicht greifen und nicht lagern für lichtlose Zeit. Es wirft Schatten, ist blitzschnell, aber nicht gleichzeitig überall, es kann in Farben leuchten, aber auch scheinbar dunkel sein — obgleich vorhanden. Was ist das für ein „Ding“, das sich auf so viele Weisen zeigen kann?

Die Frage nach dem Licht begleitet die Menschheit seit Anbeginn. Vieles ist noch unbeantwortet und manches nicht einmal gefragt, aber was auch immer das Licht ist: es ist die Offenbarung und das letzte große Geheimnis. Es ist das Meisterstück der Schöpfung und war schon im ersten Augenblick zugegen.

Für den Lichtkünstler ist der Anteil des sichtbaren Lichtes ein Werkzeug wie Hammer und Meißel für den Bildhauer. Deshalb soll dem Licht selbst auch viel Raum eingeräumt sein — hier finden Sie Texte zu den Eigenarten des Lichtes und die kurzen Geschichten von vier Männern, deren Genialität und Mut uns half, das Licht besser zu verstehen.

01

Die Forscher

Viele wären zu erwähnen, diese Vier aber haben die großen Türen aufgestoßen.

Faraday wurde 1791 in Surrey geboren und war der größte Experimentalwissenschaftler, den die Menschheit hervorgebracht hat. Seine Familie war arm und gehörte zu einer kleinen christlichen Sekte, was die Art, wie er die Natur interpretierte, stark beeinflusste. Er hatte nur geringe Schulbildung und musste früh sein Geld verdienen. Mit 14 wurde er Lehrling bei einem Buchbinder und begann, Bücher zu lesen, die zum Binden gebracht wurden. Speziell interessierte ihn die Elektrizität.

Schon 1821 begann er Untersuchungen der Elektrizität und des Magnetismus, die die Physik revolutionieren sollten. Er stellte sich Elektrizität als Schwingung oder Kraft vor, die infolge der Spannung in der Stromquelle ausgesendet wird. 1831 entdeckte er die Induktion: in einer Drahtspule wird Strom erzeugt, wenn man einen Magneten hineinschiebt oder herauszieht. 1846 schlug er vor, dass elektrische und magnetische Feldlinien dem Licht als Medium für seine Ausbreitung dienen könnten.

1850 hatte er eine völlig neue Vorstellung von Raum und Kräften entwickelt. Demnach ist Raum ein Medium, welches das Bestreben elektrischer und magnetischer Kräfte unterstützt. Energien sind nicht in den Teilchen konzentriert, aus denen unsere Welt besteht, sondern befinden sich in dem sie umgebenden Raum: die Feldtheorie war geboren. Er erkannte als erster den Zusammenhang von Elektrizität und Magnetismus und dies führte unerwarteterweise auch zur Erklärung des Lichtes. Eine Lichtwelle entsteht immer dann, wenn eine elektrische Ladung an Geschwindigkeit gewinnt oder verliert.

Für Faraday war das Universum mit einem kosmischen Netz von elektrischen Feldlinien durchzogen. Dieses statische Bild verwandelte er in ein dynamisches, indem er sich die Kraftlinien als elastische Bänder vorstellte. Er brachte eine revolutionäre Theorie des Lichts hervor, die die Fesseln des materialistischen Weltbildes seiner Zeit zerriss — er ist für die Biografie des Lichts die entscheidende Figur im 19. Jahrhundert. Er war der Auffassung, die physikalische Kraft oder Wechselwirkung sei das wahre Wesen der Welt und nicht die Substanz. Und die Kraft, nicht der Äther, reicht von einem Ende des Universums zum anderen.

James Clerk Maxwell wurde 1831 in Edinburgh geboren. Nach einer sehr guten Schulausbildung studierte er Mathematik und Physik und schloss sein Studium in Cambridge ab. 1856 wurde er Professor in Aberdeen, ab 1860 Lehrer am King’s College in London. Er starb 1879 in Cambridge.

Das Verständnis der Wirklichkeit durch die Wissenschaft seit Newton erlebte eine tiefgreifende Wandlung. Den Höhepunkt dieser Revolution bildet Maxwells mathematische Behandlung des Lichts. Bis dahin war die Vorstellung von einem mechanischen Universum aus bewegter Materie ausgegangen, doch Faraday und Maxwell veränderten dieses Weltbild von Grund auf. Nun war die Entwicklung reif für die größte Leistung: das elektromagnetische Bild vom Licht.

Entscheidend war seine Arbeit „A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field“ von 1864, ein Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte. In ihr fasst er all die scheinbar weit auseinander liegenden Daten über Elektrizität und Magnetismus zu einem einzigen System von vier Gleichungen zusammen. Was konnten diese beiden Bereiche der Natur miteinander zu tun haben? Alles! lautet die Antwort von Maxwell und Faraday.

Im Zuge seiner Untersuchungen entwickelte Maxwell eine Gleichung für das elektromagnetische Feld, die der Gleichung für die Ausbreitung von Schallwellen völlig entsprach. Mehr noch, aus diesen Gleichungen ließ sich eine Vorhersage für die Lichtgeschwindigkeit ableiten. Schließlich gelangte er zu dem Schluss, dass Licht und Magnetismus Auswirkungen derselben Substanz sind und dass Licht eine elektromagnetische Störung ist, die sich nach den Gesetzen des Elektromagnetismus im Feld ausbreitet. Das Licht war zu einer elektromagnetischen Welle geworden, deren Schwingungen den Raum kräuseln.

Er gelangte zu der Auffassung, das elektromagnetische Feld sei ein Energiereservoir. Warum wird der Faden einer Lampe heiß und beginnt zu glühen? Nicht wegen des Stromflusses durch den Glühfaden, sondern weil Feldenergie aus dem umgebenden Raum in den Faden einströmt, wenn Strom fließt. Energie fließt um Leiter herum und in Leiter hinein, aber nicht durch sie hindurch. Könnte im Grunde genommen alles Feldenergie sein, die sich zu verschiedenen Formen organisiert?

Edison war Autodidakt, der sich sein Wissen in langen Jahren einsamer Lektüre angeeignet hatte — wahrscheinlich wegen seiner Taubheit, die ihn im Alter von 12 Jahren ereilte. Vom Gelegenheitsarbeiter hatte er sich zum technischen Unternehmer hochgearbeitet. Als er sich 1878 erstmals mit dem elektrischen Licht beschäftigte, konzentrierte er sich auf den Glüheffekt. Eine Schwierigkeit lag darin, dass der Glühfaden auf extrem hohe Temperaturen erhitzt werden musste, um helles weißes Licht zu erzeugen. Erst bei 2500 Grad entsteht intensive Weißglut.

Ein anderes Problem war der Widerstand des Glühdrahtes. Elektrischer Strom ist ein Fluss von Elektronen, die von einer Spannung durch einen Draht geschoben werden. Unterwegs werden sie durch Atome abgebremst. Bei jeder Begegnung mit einem Hindernis wird Energie des in Bewegung befindlichen Elektrons in Wärme oder Schwingungen der Atome umgewandelt. Diese Oszillationen zupfen so heftig am elektromagnetischen Netz, dass Licht entsteht.

Er wollte seine Lampen an ein Netz anschließen, das die Energie aus einer zentralen Stromquelle bezog. Daher wollte er Schwachstromlampen verwenden, die dünne Glühfäden mit hohem Widerstand besaßen. Also suchte er nach einem Glühfaden mit hohem Widerstand und hoher Temperaturbeständigkeit. Er versuchte es mit Platin und anderen Metallen — alle ungeeignet. Dann versuchte er sein Glück mit Kohle und entdeckte 1879 einen Glühfaden, der seinen Ansprüchen genügte: eine Schleife aus einem Baumwollfaden, in einem Ofen so lange gebacken, dass nur noch ein dünner Strang Kohle übrigblieb.

Um eine Oxidierung zu verhindern, wurde der Glühfaden in eine Glaskugel eingesetzt, die luftleer gepumpt und versiegelt wurde. Die ersten Kohlefadenlampen leuchteten vierzig Stunden. Edison suchte nach robusteren Glühfäden und erprobte jedes Material, das Kohlenstoff enthielt: Holzarten, Kork, Seidenpapier, Kokosschalen, menschliches Haar. Mit verkohlter Pappe erzielte er 170 Stunden, verkohlter Bambus bewährte sich noch besser. Für die allgemeine Nutzung wurden seine Glühlampen in der Londoner U-Bahn erprobt, bevor das System 1882 in einem Teil Manhattans seinen Betrieb aufnahm.

Einstein wurde 1879 in Ulm geboren. In der Schule war er kein Musterschüler, verstand aber schon als Jugendlicher schwierige mathematische Zusammenhänge und brachte sich mit zwölf Jahren euklidische Geometrie bei. Er studierte an der technischen Hochschule in Zürich und schaffte 1900 seinen Abschluss. Von 1902 bis 1909 arbeitete er im Patentamt in Bern als technischer Experte 3. Klasse — eine Tätigkeit, die ihn nicht forderte, so dass er sich nebenbei der Forschung widmen konnte.

1905 veröffentlichte er seine „Spezielle Relativitätstheorie“. 1907 entstand das „Gesetz der allgemeinen Äquivalenz von Masse und Energie“, dargestellt durch die Formel E = mc². 1914–1916 entstand die „Allgemeine Relativitätstheorie“, 1921 erhielt er den Nobelpreis. 1933 emigrierte er in die U.S.A. und wurde Professor in Princeton, wo er am 18. April 1955 starb.

Einstein begann mit einem Gedankenexperiment. Wahrscheinlich schon als Sechzehnjähriger hat er das Unmögliche gedacht: wenn man mit einer Geschwindigkeit, die der des Lichts gleicht, hinter einer Lichtwelle herläuft, dann müsste diese zum Stillstand kommen. So etwas, meinte er, scheint es aber doch nicht zu geben! Fast zehn Jahre schlug er sich mit diesem Rätsel herum. Wie das Sandkorn in der wachsenden Auster war die Frage nach dem Wesen des Lichts der irritierende Kern, der die Perle der Relativitätstheorie zum Wachsen brachte.

Seine Relativitätstheorie hat zwei revolutionäre Merkmale: den vollständigen Zusammenbruch der Ätherhypothese und die außergewöhnliche Bedeutung der Lichtgeschwindigkeit. Die Zeit ist relativ — zwei Ereignisse, die für einen Beobachter gleichzeitig stattfinden, müssen für einen anderen noch lange nicht gleichzeitig sein. Länge ist relativ, und auch Masse ist relativ. Eine Folgerung: es kann keinen auf einem Lichtstrahl reitenden Beobachter geben. Dieser wäre auf die Länge Null verkürzt, seine Masse unendlich groß und die Zeit würde für ihn stillstehen.

Außerdem erklärt Einstein, dass Licht aus kleinen Teilchen besteht, den Photonen. Je heller das Licht ist, desto mehr Photonen sind enthalten; je höher die Frequenz, desto mehr Energie besitzen sie. Mit Kopernikus war der Ort relativ geworden, mit Einstein die Bewegung. Und nur eine Konstante blieb: die Lichtgeschwindigkeit. Um sie herum geriet alles Andere ins Wanken.

„Fünfzig Jahre intensiven Nachdenkens haben mich der Antwort auf die Frage: was sind Lichtquanten? nicht näher gebracht. Natürlich bildet sich heute jeder Wicht ein, er wisse die Antwort. Doch da täuscht er sich!“

Albert Einstein

02

Eigenarten des Lichtes

Gibt es Licht in der Dunkelheit? Nimmt man alles fort und kühlt das Relikt auf den absoluten Nullpunkt ab, bleibt immer noch das Vakuum, das in einem Licht besonderer Art erglänzt. Selbst im tiefsten Schatten können wir suchen und finden verborgenes Licht.

Es gibt keinen absoluten Raum, keine absolute Ruhe, keinen feststellbaren Ursprungsort des Universums. Es gibt keine höhere Geschwindigkeit als die Lichtgeschwindigkeit. Raum und Zeit sind untrennbar miteinander verbunden — und Licht ist die Brücke.

Eine fortwährend beschleunigende Rakete gewinnt nahe an der Lichtgeschwindigkeit kaum noch an Geschwindigkeit, sondern an Masse. Die Masse entpuppt sich somit als eine andere, extrem konzentrierte Erscheinungsform der Energie. Mit anderen Worten: Masse ist nichts anderes als gefrorenes Licht.

Licht entsteht durch atomare Prozesse in der Materie: Anregung, Energieabgabe durch Licht oder Wärme, Rückkehr in den Grundzustand. Die eigentliche Elementarlichtquelle, das Atom, ist dabei nur etwa 1/10 Nanometer groß — das entspricht dem hundertmilliardsten Teil eines Meters. Selbst das kleinste Stück Materie besteht aus einer so unglaublichen Anzahl von Atomen, dass insgesamt eine Flut von Photonen ausgelöst wird. Photonen entstehen also aus bestimmten Energieübergängen von Elektronen in Atomen. Licht ist pure Energie.

Wo Licht auf Dunkelheit trifft, entfaltet sich Farbe. Insofern sind Farben das Produkt der größten Polarität, die unser Universum zu bieten hat. In Goethes Sprache: die Farben sind Taten und Leiden des Lichts in seiner Wechselwirkung mit der Dunkelheit.

Das Blau des Himmels und die Farben des Meeres entstehen, wenn das einfallende Licht seine Energie an die Moleküle der Luft und des Wassers weitergibt. Tatsächlich entstehen alle Farben der Welt dadurch, dass Materie Licht selektiv reflektiert und absorbiert, beugt und streut. Wir nehmen schätzungsweise bis zu zehn Millionen verschiedene Farbschattierungen wahr.

Farbe ist eine Sinneswahrnehmung, die das Licht im Bewusstsein hervorruft — die Farben sind die „kostbaren Wellen, die das Kielwasser des Lichts glänzend kräuseln.“

Jede Wellenart — ob im Meer, der Schall in der Luft oder das Licht — hat auch eine Frequenz, die ihren zeitlichen Charakter bestimmt. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich am Ufer eines stillen Teiches. Werfen Sie in regelmäßigen Abständen von einer Sekunde Stein um Stein auf die gleiche Stelle, so dass sich eine Folge von konzentrischen Wellenkämmen und Tälern bildet.

Ein ferner Beobachter, der nichts von Ihrem Verhalten weiß, könnte dennoch zu dem Schluss gelangen, dass die Kraft, die die Wellen verursacht, einmal pro Sekunde wirkt — denn mit dieser Häufigkeit passiert ihn jeweils ein neuer Wellenkamm. Werfen Sie die Steine öfter, zählt der Beobachter eine größere Anzahl von Kämmen pro Sekunde. Das ist die Frequenz der Welle.

Als Wissenschaftler die Natur der Materie und des Atoms erforschten, stellten sie fest, dass Materie nicht so real ist, wie sie dachten — sie besteht vielmehr aus Energieballungen. Sie mussten anerkennen, dass das Elektron und damit alle Materie offenbar Eigenschaften von Bewusstsein besitzt.

Angesichts dessen soll Albert Einstein einmal gesagt haben: „Es sieht immer mehr so aus, als ob das ganze Universum nichts anderes ist als ein einziger grandioser Gedanke!“ Alle Dinge sind letztendlich Gedanken auf unterschiedlichen Energieniveaus. Materie ist dabei nur gleichsam geronnener, in Form erstarrter Gedanke. Dies bedeutet, dass der Geist die Materie bestimmt.

Zwei Augen sahen herab auf die alte ägyptische Welt, die beiden Augen des Horus, die Sonne und der Mond. Es gab in dieser Kultur kein bedeutsameres Symbol als das Auge des Sonnengottes Ra. Für die Männer und Frauen dieser Kultur hieß im Tageslicht zu stehen immer auch, dass der Blick ihres Sonnengottes auf ihnen ruht. Gottes Blick war Licht. Licht war das Sehen Gottes.

Die mittelalterliche Gemeinschaft bereitete sich jeden Abend auf die Dunkelheit vor, als gelte es, ein Schiff für einen herannahenden Sturm zu rüsten. Bei Sonnenuntergang zogen sich die Menschen in ihre Häuser zurück und verriegelten alle Türen und Fenster. Wer ohne ein Licht im Freien angetroffen wurde, tat damit praktisch kund, dass er nichts Gutes im Schilde führte.

Als Galilei sein Fernrohr zum Himmel richtete, sah er anstelle von Engeln und Vollkommenheit Krater und Berge. Selbst die Sonne war von Sonnenflecken verunstaltet. Die Vollkommenheit war dahin. Ptolemäus wählte als Bezugspunkt die Erde; Kopernikus verbannte das menschliche Bewusstsein auf die Sonne, die nur ein unbedeutender Stern in der Milchstraße ist. Einstein ging noch einen Schritt weiter: nun gab es nicht einmal mehr einen Ort der Ruhe. In dieser Flut neuer Ideen blieb nur eine „Wahrheit“, die sich als unabhängig von allen Bezugssystemen erwies — die Lichtgeschwindigkeit.

Zunächst glaubte man, das Licht sei unendlich schnell. Im 17. Jahrhundert gelang es erstmals, diese Geschwindigkeit annähernd zu messen. Damit wurde das Licht zu einer Sonde, die tief in die Zeit zurückreicht. Wenn wir einen Stern beobachten, der tausend Lichtjahre entfernt ist, sehen wir ihn in dem Zustand, in dem er sich vor tausend Jahren befunden hat. 1983 wurde die 380-jährige Geschichte der Lichtgeschwindigkeitsmessungen beendet: ihr Wert wurde mit 299 792 458 Metern pro Sekunde festgelegt.

Mit dem Licht verhält es sich anders als mit allen Dingen: läuft man mit Lichtgeschwindigkeit hinter einem Lichtstrahl her, kommt dieser nicht zum Stillstand. Licht kann nicht stillstehen! Es gibt kein Licht ohne Bewegung, deshalb kann man es nicht einholen — man kann ihm noch nicht einmal näher kommen. Das Licht hat keinen Ort, aber es hat eine Geschwindigkeit, und wir sind von ihm immer durch 299 792 458 m/s getrennt.

Wie würde die Welt aussehen, während wir mit Lichtgeschwindigkeit liefen? Raum und Zeit würden sich auf überraschende Weise ändern. Die Entfernungen würden schrumpfen und hundert Jahre würden sich zu einem bloßen Augenblick verkürzen. Würde das Licht sich ohne Zeitverzögerung von einem Ort zum anderen bewegen, würden wir überall im Universum nur den gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen.

Man zünde eine Kerze an: die Flamme bringt das Wachs in der Mitte zum Schmelzen, und ein Luftstrom kühlt den Rand, sodass ein erhöhter Steg stehen bleibt. So entsteht ein Gefäß, das den geschmolzenen Inhalt am Ausfließen hindert. Die Flüssigkeit klimmt im Docht empor — dank der gleichen Kraft, die den Saft in einem Baum aufsteigen lässt — und verdampft in der dunklen, bläulich-schwarzen inneren Region der Flamme.

Der helle gelbe Kegel verdankt seine Existenz winzigen glühenden Kohleteilchen, die nicht verbrannt sind. Kalt ist Ruß der schwärzeste aller Stoffe, doch in erhitztem Zustand verbreitet er ein wunderbares Leuchten. Eine ganz und gar gewöhnliche Materie erzeugt Licht — körnige Materie wird in der Flamme zu Licht geläutert. Von einer Kerze werden pro Sekunde etwa 4 × 10⁴⁴ allerkleinste Lichteinheiten abgestrahlt: eine Vier mit vierundvierzig Nullen.

Würde das Universum kollabieren, würden zunächst die langen Wellenlängen verlorengehen — die Radio- und Mikrowellen und das Infrarot. Nichts mehr wäre zu vernehmen von den Wörtern und Bildern, die uns Radio und Fernsehen liefern. Mit dem Infrarot würde die Wärme des Sonnenlichtes auf der Haut verschwinden.

Als nächstes würden die Randbereiche des Sehvermögens verlöschen, zuerst im Roten. Im Dunkel versänke das Orange und Gelb der Sonnenblumen, das Meergrün, die Blautöne. Nur die schlichteste Kunstform bliebe: schwarzweiß Fotos und Filme. Dann verschwänden auch die ultravioletten Wellenlängen, die Röntgenstrahlen, die Kernstrahlung. In einem derart verfinsterten Kosmos aber würden wir nicht mehr leben können.

Heute sind Laser die eindrucksvollste Erscheinungsform künstlichen Lichts. Ihr konzentriertes Licht ist energiereich genug, um Metall zu schneiden, und präzise genug, um Informationen zu befördern. Aus einem handelsüblichen Laserpointer werden pro Sekunde etwa 10¹⁶ Photonen ausgesandt — etwa so viele wie Sandkörner an einem Strand. Sie zusammen bilden den kräftigen Lichtstrahl, das einzelne Photon trägt dabei nur kleinste Energiemengen.

Warum lässt sich Licht auf einem winzigen Punkt zu geballter Kraft bündeln? Der Grund liegt in den wundersamen Eigenschaften der Photonen: weil sie keine Masse besitzen, lassen sich gigantische Mengen von ihnen auf kleinstem Raum unterbringen, ohne dass sie sich den Platz wegnehmen.

Wissenschaftler haben einen Kasten gebaut, in dem das Licht keine Objekte oder Wände berührt. Ein Projektor schickt helles Licht hinein, und durch eine Öffnung lässt sich in das Innere sehen. Innerhalb des Kastens gibt es jetzt nur reines Licht. Die Frage lautet: wie sieht Licht aus, wenn es sich völlig selbst überlassen ist?

Außer der Schwärze des leeren Raumes ist nichts wahrzunehmen. Absolute Finsternis. Wir sehen nur Dinge, nur Objekte, aber kein Licht. Ohne ein Objekt, auf das das Licht fallen kann, erblickt man nur Dunkelheit. Licht selbst ist immer unsichtbar. Das Sonnenlicht ist zwar allgegenwärtig, fällt aber auf nichts — und deshalb ist auch nur Dunkelheit zu sehen.

Mit dem Verständnis kam auch die Findigkeit, sich das Licht nutzbar zu machen — über den bloßen Zweck des Leuchtens hinaus. Mit Licht, das durch Linsen geht, kann man Entferntes heranholen bis hin zu den kalten Oberflächen des Mondes und Einblick nehmen in die wimmelnde Welt des Lebens im Kleinen.

Zerteilt in Impulse trägt Licht Informationen in Sprache, Bildern und Daten, lässt sich in Schläuchen um die halbe Welt leiten. Durch einen winzigen Infrarotlaser in einem CD-Spieler taut Licht die eingefrorene Musik in eine warme Flut lebendiger Töne. In der Medizin eröffnet es neue Möglichkeiten zur Diagnose. Licht heilt. Licht ermöglicht die Photosynthese und hält das Leben am Leben.

Die Intensität des Nordlichtes entspricht der Sonnenfleckenaktivität mit der Verzögerung von zwei Tagen. Die Schönheitsflecken der Sonne sind gewaltige Eruptionen, die energiereiche Ströme geladener Teilchen mit hoher Geschwindigkeit auch zur Erde schicken. Dieser Strom wird vom Magnetfeld der Erde zu den Polen gelenkt, und das Nordlicht leuchtet auf, wenn der dunkle Sonnenstrom auf die oberste Schicht der Erdatmosphäre trifft. Die unsichtbaren Magnetfelder der Erde ziehen einen dunklen Sonnenwind herab, der die langen Polarnächte mit farbigem Licht erhellt.

Photonen, die allerkleinsten Teilchen des Lichts, sind punktförmig, ohne Volumen und ohne Masse. Sie sind immateriell. Die meisten Elementarteilchen zerfallen, aber Photonen bleiben ewig erhalten. Licht ist das wahrhaft ungreifbare, vollkommene Teilchen.

Selbst das schwache Licht einer Geburtstagskerze besteht aus Billionen und Aberbillionen Photonen, die jede Sekunde abgestrahlt werden. Beim Sonnenbaden prasseln pro Sekunde zehn Billiarden Photonen auf jeden Quadratzentimeter Haut. Ein Photon in dieser Kaskade ist wie ein Sandkörnchen am Strand — lässt man den Sand durch die Finger laufen, verlieren die einzelnen Körnchen im fließenden Strom ihre Körnigkeit, genau wie das Licht seine Körnigkeit verliert in der Lichtflut, die wir sehen.

Schickt man weißes Licht durch ein Prisma, so werden die verschiedenen Wellen des Lichts an dessen Grenzflächen gebrochen. Kurzwelliges Licht wird stärker gebrochen als langwelliges. Deshalb kann mit dem Prisma weißes Licht in seine Wellenanteile zerlegt werden, und die Farben leuchten auf. Isaac Newton hat dies 1704 zum ersten Mal beschrieben. Im Regenbogen brechen die feinen Wassertröpfchen die Sonnenstrahlen und zeigen das Spektrum des weißen Sonnenlichtes. Dem Farbenfeuer eines geschliffenen Diamanten liegt dasselbe Phänomen zugrunde.

Alles, was uns umgibt, nehmen wir durch Reflexion wahr. Reflexion tritt grundsätzlich an der Grenzfläche zweier Medien auf. Trifft Licht auf ein anderes Material, dringen einige Photonen ein, während andere abprallen — so wie ein Tennisball, der auf den Boden geschmettert wird, wieder in die Luft springt. Unser Blick auf ein Objekt kommt also durch Photonen zustande, die an diesem Objekt abprallen und unmittelbar in unser Auge gelangen.

Gegenstände, die uns farbig erscheinen, werfen ganz bestimmte Lichtstrahlen zurück. Ein blaues Pigment absorbiert alles Licht, das nicht im blauen Bereich liegt; das Licht zwischen 450 und 500 nm strahlt von der Oberfläche zurück. Wird das Licht in alle Richtungen gestreut, spricht man von diffuser Reflexion. Bei sehr glatten Oberflächen wie Spiegeln wird sämtliches Licht einheitlich reflektiert, sodass der Einfallswinkel dem Ausfallswinkel entspricht — die spiegelnde Reflexion.

Das Licht der Natur und das Licht des Bewusstseins müssen sich im Auge verbinden, um das Sehvermögen zustande zu bringen. Für sich genommen bleibt jedes dieser Lichter geheimnisvoll und dunkel. Das Sehvermögen ist unsere komplexeste Sinnesfunktion. Keine andere durchquert den Raum mit der Leichtigkeit des Blickes: Schall hören wir nur von nahen Quellen, der Tastsinn reicht nur so weit wie die Arme.

Das Sehvermögen stellt eine erhebliche Anforderung an das Gehirn: es muss eine viertel Milliarde Sensoren überwachen, die Daten zweier Augen koordinieren und alles zu einem Echtzeitbild verbinden. Gehirn und Auge zusammen sind wie eine Kamera mit Farbkorrektur und Autofokussierung, die sich ihr Motiv obendrein noch selber sucht.

Licht ist mehr, als wir sehen können. Im Weltall gibt es etwa vierzig Oktaven Licht, von denen wir nur eine einzige sehen — den Bereich von 400 bis 750 Nanometer. Könnten wir Infrarot sehen, nähmen alle Objekte, die wärmer als ihre Umgebung sind, nach Sonnenuntergang ein visuelles Eigenleben an. Könnten wir Ultraviolett sehen, zeigten sich verborgene Muster auf Blüten, die die Aufmerksamkeit von Bienen erregen.

Unser kosmischer Feuerball entstand vor 4,6 Milliarden Jahren. Sie ist der Gigant unseres Sonnensystems: 1,4 Millionen km Durchmesser, die Erde knapp 13 000 km. Sie ist 330 000 mal schwerer als die Erde. In ihrem Inneren herrscht eine Hitze von etwa 15 Millionen °C, die Oberfläche ist mit 6000 °C relativ kühl. Jede Sekunde verschmelzen in ihr 700 Millionen Tonnen Wasserstoff zu Helium.

Auf den Erdball trifft eine Wärmestrahlung von etwa 175 Milliarden Megawatt. Ihr Licht kommt aus einer Entfernung, für die ein Jumbojet 22 Jahre brauchen würde — es braucht 8 Minuten zur Erde. Und wir haben Glück: wäre sie näher, würde unser Wasser verdampfen; wäre sie weiter weg, würden wir erfrieren. Unsere Galaxis, die Milchstraße, hat etwa 200 Millionen Sonnen; von einem Ende zum anderen braucht das Licht 100 000 Jahre. Es gibt vermutlich 100 Milliarden Galaxien.

Das Licht beweist, dass das Universum vor Milliarden Jahren einen sehr plötzlichen Anfang genommen hat. Alle materiellen Dinge, die wir kennen, leiten sich von diesem einen Ereignis ab. Im Alter von einer hundertstel Sekunde entwickelt das Universum die unvorstellbare Temperatur von hundert Milliarden Grad über dem absoluten Nullpunkt. Im Vergleich dazu ist der Kern unserer Sonne nur eine schwache Glut.

Ein Teil dieses Lichtes wurde Materie, da bei so extremen Temperaturen das Aufeinanderprallen der Photonen diese in Elementarteilchen mit Masse verwandelte. Strahlung, Licht und eine Suppe aus Elektronen — das ist der Urstoff des Universums zur Geburtsstunde von Raum und Zeit. Eine Welt aus Licht steht im Anfang. Denn das Licht ist die Sprache der Schöpfung.

Wenn eine Woge im Meer auf uns zukommt, fürchten wir einen Augenblick, sie werde uns mit sich reißen. Sind die Wellen vorüber, bemerken wir, dass das Wasser um uns herum nicht mit der Welle zum Strand gewandert ist, sondern sich nur gehoben und gesenkt hat. Kein Wasser ist vorübergeflossen, es hat sich nur auf und ab bewegt.

Was also ist an uns vorbeigezogen? Was ist diese Welle? Sie ist eine Form, eine Gestalt, eine bestimmte Verhaltensweise des Meeres. Könnte nicht auch Licht eine Form, eine Schwingung sein? Nichts bewegt sich — ausgenommen die Form und Gestalt des Lichtes? Licht wäre also nicht Substanz, sondern Form.

03

Neues Licht — eine Spur der Lichtkunst

Streng genommen ist jeder ästhetische Gebrauch des Lichts zur „Lichtkunst“ zu rechnen. Hier aber soll nicht von der Sonne die Rede sein, sondern vom menschengeschaffenen Leuchtwerk — und von zwei eng verwobenen Spuren: der technischen Entwicklung künstlicher Strahler und ihrer Beeinflussbarkeit.

Es war wohl eine Beobachtung des griechischen Philosophen Aristoteles vor fast zweieinhalbtausend Jahren, die den Stein ins Rollen brachte: Im Schatten eines Baumes entdeckte er kleine helle Flecken, deren Form nicht das Abbild der Kontur zwischen den Blättern war, sondern das Abbild der Sonne. Fallen Strahlen durch eine kleine Öffnung in einen dunklen Raum, so entsteht ein Bild des Objektes, das sie aussendet — und das Abbild steht auf dem Kopf, weil die Strahlen sich im Durchgang des kleinen Loches kreuzen.

Auch da Vinci beschreibt diese Erscheinung; zu seiner Zeit gab es schon „dunkle Kammern“. Die Camera obscura war entdeckt — allerdings ließ sich ihr Bild nicht festhalten. Möglich wurde das durch die „Zauberlaterne“, das erste Gerät zum Projizieren von Bildern überhaupt. Die Laterna magica ist ein Kasten mit einer Lichtquelle, die durch eine Sammellinse nach außen strahlt; dazwischen werden bemalte Gläser geschoben und projiziert. Zum ersten Mal wird Licht genutzt, um bewegte Bilder entstehen zu lassen.

Verfolgen wir die Spur weiter, begegnen wir dem Franzosen Joseph Niépce, der die Bilder der Camera obscura festzuhalten versuchte — nicht durch Nachzeichnen, sondern durch Fixierung auf empfindlichem Material. 1816 gelingen ihm erste Abdrücke, zehn Jahre später das erste Foto der Welt: ein Blick aus seinem Arbeitszimmer mit acht Stunden Belichtungszeit. Gemeinsam mit Daguerre und dem Engländer Talbot wurde bald die Vervielfältigung möglich, und der Siegeszug der Fotografie war nicht mehr aufzuhalten.

1889 hält Étienne-Jules Marey zum ersten Mal absichtlich die sichtbare Spur eines Lichtes im Bild fest — die Geburtsstunde der Lichtmalerei. Der Italiener Bragaglia führt 1911 die Dynamik in die Kunstfotografie ein; Moholy-Nagy fügt seinen Bildern „Pinselstriche“ aus Blitzlicht hinzu, und Man Ray begann im Wortsinn zu zeichnen, indem er mit einer bewegten Glühbirne am langen Kabel imaginäre Figuren in den Raum schrieb. Selbst Picasso war von der leuchtenden Spur einer bewegten Glühbirne inspiriert.

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts häufen sich die Neuigkeiten: In Deutschland wird Otto Piene mit seinen „Lichtballetten“ zum Wegbereiter der strahlenden Kunst, in Amerika installiert Dan Flavin 1963 eine nackte gelbe Leuchtstoffröhre, und James Turrell erschafft grenzenlos wirkende Räume aus gleichmäßig leuchtenden Flächen. Der Tageslichtprojektor wird zur Basis der „liquid light shows“ der Hippies, und Jenny Holzer installiert Leuchtschriften mit sozial engagierten Aussagen.

Tiefgreifend ist die Entwicklung des Halogenstrahlers — extrem hell und die Abstrahlfläche punktklein. Ein französischer, italienischer und schweizerischer Schattenspieler erkennen das Potential: Die Silhouette kann jetzt von der Leinwand weggenommen werden, wird größer — ihre Kontur aber bleibt scharf! Dies revolutioniert das Schattenspiel. Es verwandelt sich ins Schattentheater, das den gesamten Raum auch sichtbar vor der Leinwand bespielt. Inzwischen zeigt der Laser die konzentrierteste Form eines Strahls, und der Pole Tadeusz Wierzbicki fügt die Reflexion als weitere Spielform hinzu.

Um die Jahrtausendwende werden die Bereiche des Lebens mehr und mehr mit der Technik der emittierenden Diode ausgeleuchtet. Die LED hat keinen Glühdraht mehr, sondern besteht aus einem kleinen Kristall, der leuchtet, wenn Strom hindurchfließt. Sie strahlt weniger Wärme ab und hat eine lange Lebensdauer — Merkmale, die ihr einen Siegeszug verhelfen, der wohl gerade erst begonnen hat.

Zeitgleich revolutioniert die digitale Kamera die Fotografie. Die „Bulb-Funktion“ ermöglicht eine nur durch die Batterie begrenzte Öffnung der Blende: im dunklen Raum kann jetzt beliebig lange „gemalt“ werden, und der Sensor zeichnet auf, was immer an Hellem erscheint. Mittels einer speziell entwickelten Software entsteht die faszinierende Möglichkeit, im Dunkel auf eine Leinwand zu malen und das Bild festzuhalten.

Spätestens jetzt reicht die verfolgte Spur in unsere Gegenwart, und der Stein, den Aristoteles ins Rollen brachte, liegt vor unseren Füßen. Ein großer Reichtum, eine Einladung zum Erschaffen von Bildern aus Licht. Sind wir nicht auch hier, um zu gestalten? Sind wir nicht — in letzter Konsequenz — aus Licht auch einst erstanden? Sind wir nicht Sternenstaub?

Wenn wir über „das Licht“ sprechen, bezeichnen wir damit den für uns sichtbaren Bereich der elektromagnetischen Strahlung zwischen etwa 380 und 780 Nanometern. Außer dem Tageslicht zeigt es sich in einer Vielfalt von Erscheinungen: im Regenbogen, im Nordlicht, im Schattenspiel des Mondes, den Sternen, dem Wetterleuchten, Abend- und Morgenrot, Blitzen, Feuer — selbst das Spiegelbild in der Pfütze gehört dazu.

Dieselbe Schwingung entsteht in den künstlichen Lichtquellen: Glühbirnen, Halogenlampen, Dioden, ultraviolette Leuchten, Stroboskope, Laser, Neonröhren, Infrarotstrahler, Lichterketten. Einige davon sind für meine Arbeit mehr von Nutzen — weil sie heller sind, Farbe erzeugen oder eine warme Grundtönung besitzen. Ein bewegtes Licht erzeugt je nach seinen Eigenheiten vom selben Objekt die unterschiedlichsten Bilder: Nähe oder Distanz zum Gegenstand, Rhythmus der Bewegung — in der Summe gestalten sie Werden und Vergehen des bewegten Bildes.

04

Literatur

  • Licht und Schatten — Werner Gilde · Physik-Verlag, Weinheim 1983 (Betrachtung fast aller Aspekte)
  • Eine kurze Geschichte des Lichts — Sidney Perkowitz · dtv, München 1999 (Licht aus physikalischer Sicht)
  • Das Universum des Lichts — David Bodanis · Rowohlt, Reinbek 2006 (von Edison bis zur Quantenstrahlung)
  • Eine Reise in die Welt des Lichts — Hg. Technologiezentrum Düsseldorf, 2003 · ISBN 3-00-010987-0 (Verwendung des Lichts im Bereich der Technik)
  • Faszination Licht — Max Keller · Prestel, München 1999 (alles über das Licht im Schauspiel — Theater)
  • Die gemeinsame Geschichte von Licht und Bewusstsein — Artur Zajonc · Rowohlt Sachbuch Nr. 60 381 (wie wir vom Licht lernen — sehr aufschlussreich)
Teil II

Schatten

„Der Schatten dunkelt das Strahlen des Lichts — auf die Erde geworfen in Fetzen aus Nichts.“

Kaum etwas findet in unserer westlichen Kultur so wenig Beachtung wie der Schatten — wohl deshalb, weil er nicht materiell ist. Er ist die einzig existente immaterielle und dennoch sichtbare Form, ein Wunder der Ästhetik und des Geistes zugleich. Wer meint, in ein paar Zeilen alles über ihn sagen zu können, wird eines Besseren belehrt: wer in das dunkle Herz des Schattens blickt, erkennt seine unendliche Vielfalt.

Das Phänomen des Schattens entsteht durch drei Grundeigenschaften des Lichtes: zum einen können die Strahlen die uns bekannte Materie nicht oder nur sehr bedingt durchdringen; zum anderen ist das Licht fähig, sich jedweder Struktur bedingungslos anzupassen; und zum dritten erzeugt es — vom kleinen Funken einer Wunderkerze bis in die unermessliche Fülle unserer erleuchteten Gegenwart — je nach seiner Beschaffenheit eine andere Art von Schatten.

In seiner dunklen Glanzlosigkeit hat jeder Schatten eine ästhetische Würde, unabhängig vom ihn werfenden Objekt. Er ist in seiner Natürlichkeit über jedes Urteil erhaben. Zum Ursprung des Schattens gibt es zwei Ideen:

1

Wir können die Schatten als Löcher im Licht verstehen. Dort, wo ein Gegenstand Schatten erzeugt, schwingen weit weniger Photonen als im umgebenden Lichtstrom. Ein Schatten erscheint, und wenn die Lichtquelle vorübergezogen oder ausgeschaltet ist, ist er wieder verschwunden — ein vom Licht abhängiges Phänomen, lediglich eine Art „Loch“, das durch die Abwesenheit des Lichtes entsteht.

2

Schatten lassen sich aber auch verstehen als Reste des kosmischen Dunkels auf der Erde. Die Finsternis wird im weitaus größten Teil des Weltalls nur aufgerissen, wo das Licht auf Materie trifft. Hier ist die Finsternis die Grundsubstanz des Universums, und das Licht kann sie nur stellen- und zeitweise erhellen.

Was Schatten genau sind, ist also eine Frage des Standpunktes — je nachdem, ob man dem Licht oder der kosmischen Finsternis den Anfang zugesteht.
Schatten  ·  althochdeutsch scato  ·  griechisch skótos: Dunkelheit

Sieben Annäherungen an den Schatten

Im Brockhaus wird der Schatten definiert als „der nicht oder weniger beleuchtete Raum hinter einem reflektierenden oder stark absorbierenden bzw. lichtundurchlässigen Körper“. Der Schatten ist also primär ein Raum, ein Volumen, das wir allerdings häufig erst dann als Schatten bezeichnen, wenn es von einer Fläche begrenzt wird. Im Englischen unterscheidet man: ein „shadow“ hat eine Form und ist zweidimensional, er ist eine Projektion — „shade“ hingegen umgibt einen, er ist ein dreidimensionaler, unsichtbarer Raum.

Schatten ermöglichen uns, räumliche Dimensionen und Strukturen zu erkennen. Sie geben Auskunft über die Beschaffenheit der Objekte und über die Positionen von Gegenstand, Lichtquelle und Fläche. Die Welt ist ohne Schatten erkenntnismäßig flacher und einförmiger. Doch wir nutzen die Schatten auf eine sehr rudimentäre und schnelle Weise und streichen sie dann sozusagen wieder aus dem Gesichtsfeld. Schatten bewusst wahrzunehmen verlangt ein hohes Maß an Konzentration.

Der Schatten ist flüchtig und nicht greifbar. Er kommt und geht, ohne Spuren zu hinterlassen. Im Augenblick seiner Existenz ist er die Spur und der Beweis einer Begegnung mit dem Licht. Der Schatten ist ohne Gedächtnis und erzählt uns nichts, weil die Vergangenheit keinen Abdruck in sein flüchtiges Wesen einschreiben kann. Er ist pure Gegenwart. Deshalb ist er in jedem Augenblick anders und gleichzeitig demjenigen untertan, von dem er ein Abbild gibt. Ein Sklave, der auf Schritt und Tritt verfolgt und doch nicht immer zu Diensten ist.

Dieses Fehlen von Licht macht ihn auch zu einem Versteck, denn der Blick dringt in die Dunkelheit nicht hinein. Es ist die Natur des Schattens, zu verschwinden, sobald er dem vollen Licht ausgesetzt ist. Allein die Sonne hat das einzig ungetrübte Bild von der Welt und noch niemals einen Schatten zu Gesicht bekommen.

Schatten sind — gemäß der ersten Idee — wie Löcher: auch Löcher sind abhängige „Dinge“, es gibt kein Loch ohne den Gegenstand, in dem es sich befindet. Löcher aber sind Parasiten mit statischen Wirten, wohingegen Schatten Löcher im Licht sind, das seinem Wesen nach dynamisch ist. Schatten sind also fliegende Löcher, die den Gegenstand, der den Schatten wirft, mit der Projektionsfläche verbinden.

Und schließlich überschneidet sich das Wesen des Schattens auf verstörende Weise mit dem Wesen des Lichts. Stellt man ein grünes Glas zwischen Lichtquelle und Projektionsfläche, so ist unklar, ob es sich bei dem grünen Fleck um einen Licht- oder Schattenfleck handelt. Es gibt keine Antwort, die diese Frage eindeutig klären könnte. Der Schatten ist eine Art heimlicher Gast: er huscht unbeobachtet vorbei.

„Ich habe gelernt, dass Licht sich in Schatten und Schatten sich in Licht wenden kann. Zuweilen habe ich das Gefühl, ich sei die einzige Person auf Erden, der es gegeben ist, Zeuge solcher außergewöhnlichen und unwahrscheinlichen Vorkommnisse zu sein.“

Roberto Casati

Einer hat es gewagt und den brennenden Ast aufgehoben, den der Blitz vom Baum geschlagen hatte, hat ihn mit heftig pochendem Herzen in die nahe Höhle getragen. Als ein Anderer aber die schwarzen, flackernden Schatten an der Felswand erblickte, erschrak er zutiefst, und mit ihm die Gefährten. Im selben Augenblick flohen sie hinaus in die vertraute Finsternis. So ähnlich könnte sie gewesen sein, die erste Begegnung des Menschen mit Schatten, die nicht durch die Sonne entstanden waren — und der Schreck saß tief.

Die Legende weiß den Ort der Entstehung des Schattenspiels am Hofe eines chinesischen Kaisers, dessen Minister ihm die Silhouette seiner geliebten Frau als Schatten erscheinen ließ. Über die verschlungenen Wege des Orients erreicht das Schattenspiel im späten 17. Jahrhundert Europa. Die verwendete Lichtquelle ist eine aus Wachs oder Öl gespeiste Flamme, deren unruhiges Zucken auch den Schatten in hastige Bewegung zwingt. Um einen ruhigen Schatten zu zeigen, muss der Spieler seine Figur immer an der Leinwand führen.

Die erste Entdeckung ereignet sich exakt am 21. Oktober 1878. An diesem Tag verlieren die Schatten ihre Wildheit. Der Mann, der sie bändigt, heißt Thomas Alva Edison: er lässt elektrischen Strom durch einen abgebrannten Kohlefaden fließen, und dieser glüht mehrere Stunden lang — die erste gleichmäßig strahlende Lichtquelle der Welt. Die zitternden dunklen Formen werden still. Der Schatten ist gezähmt. Kein Schatten war jemals bewegungslos. Auch nicht der Schatten der Sonne!

Die zweite Entdeckung lässt fast hundert Jahre auf sich warten. In den fünfziger Jahren wird sie im Labor von General Electric vorbereitet: um ein möglichst kleines, leuchtstarkes Licht für Passagierflugzeuge zu entwickeln, geben die Forscher halogene Gase hinzu. So lässt sich der Draht stärker erhitzen, verkleinern — und die Abstrahlfläche wird auf einen Punkt konzentriert.

Nun zeigen die Schatten ihre klarste Form, denn die Strahlung eines solchen Glühpunktes gibt ihnen immer eine scharfe Kontur. Jetzt ist der Spieler nicht mehr an die Leinwand gezwungen und kann sich im Raum bewegen. Er geht schließlich bis zum Licht und nimmt es in die Hand. Dieser Griff zum Licht verändert alles, denn der Spieler erobert den Raum vor der Leinwand. Die Bewegung des Lichtes ermöglicht scheinbar dreidimensionale Bilder aus Schatten — und damit die Perspektive. Das geführte Licht wird wie die Kamera zum Auge des Zuschauers. Hier beginnt meine Arbeit.

Auszug aus „Die Entdeckung des Schattens“ von Roberto Casati — ein Gang vom Mittag bis zum Abendrot, von der Akropolis hinab zum Meer.

1. Unterhalb der Akropolis geht Platon in Richtung Meer. Skia, sein Schatten, ist im grellen Mittagslicht kaum zu sehen. Schrill zirpen die Zikaden.

Skia: Das ist anstrengend! Können wir uns nicht einen Moment ausruhen?

Platon: Was redest du da? Ausruhen! Ich bin es doch, der geht! Dein lächerliches Getanze ist ja nichts als eine Imitation meines Gehens.

Skia: Es stimmt, dass ich nicht gehe. Aber du trittst mich dauernd mit Füßen!

Platon: Na und? Du bist doch bloß ein Schatten. Bist nicht aus Fleisch und Blut und empfindest keinen Schmerz. Vielleicht liegt es an der Hitze, die mir die Sinne trübt.

Skia: Was haben die Schatten dir denn getan? Was hast du gegen uns?

Platon: Ihr seid zu aufdringlich. Ihr lenkt ab, ihr seid finster, den Kindern macht ihr Angst. Ihr seid schwer zu begreifen und verursacht alle möglichen Probleme.

2. Auf dem Weg nach Piräus stellt sich Platon mit dem Rücken zur Sonne. Zu seinen Füßen zeichnet sich Skia klar und deutlich ab.

Skia: (verzweifelt) Tagein, tagaus folge ich dir auf Schritt und Tritt, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang — und du trampelst nur auf mir herum. Du müsstest mich um Verzeihung bitten.

Platon: Unverschämtheit! Du bist nicht nur vergänglich und düster, sondern birgst ein Nest von Widersprüchen, stiftest Verwirrung und säst Entsetzen.

Skia: Aber genau darum geht es! Ohne mich gäbe es keinen Wechsel von Tag und Nacht, könntest du die Form der Gegenstände nicht erkennen, erschiene dir alles flach und wesenlos…

Platon: (aufgebracht) Mag sein, trotzdem bist du bloß ein Komparse: die ganze Arbeit macht doch das Licht.

Skia: Einwand! Das Licht versteht nichts anderes, als stur geradeaus seinen Weg zurückzulegen. Ich hingegen bewahre die Spur dieser Begegnung. Ich, der Schatten, bin die Erinnerung des Lichts.

3. Eine blendende Helligkeit, zugleich dunstig. Man spürt die Nähe des Meeres. Skia wächst zusehends, beinahe überheblich.

Skia: Aristarch und Eratosthenes zeigen uns, wie groß die Erde und der Himmel sind. Die Philosophen machen sich die Sonnenbahn zunutze und setzen sie in eine Uhr um. Und du sagst, das seien keine gewaltigen Fortschritte?

Platon: Die Entdeckungen des Schattens, die du da aufzählst, scheinen mir pure Zufallsprodukte. Wirklich ernst nimmt dich keiner.

Skia: Durch mich hat die Menschheit erkannt, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht.

Platon: Beliebst du zu scherzen?

Skia: Keineswegs. Lies weiter. Das Schönste kommt erst.

4. In einem Olivenhain nahe Piräus. Skia streckt sich auf der Erde aus und klettert ein Mäuerchen empor.

Skia: Denk an die Wette des Galileo: Gebt mir einen Schatten, und ich rekonstruiere euch die Form. Galileo gewinnt, weil die Maler die entgegengesetzte Aufgabe für ihn gelöst haben: gebt uns eine Form, und wir konstruieren ihren Schatten.

Platon: Wer hätte das gedacht. Aber warum soll das alles so wichtig sein?

Skia: Es zeigt, dass zu jener Zeit jeder Künstler die Sprache des Schattens zu verstehen hatte.

5. Am Meeresstrand. Platon sieht zu, wie Skia nun riesenhaft über die Mauern der Häuser gleitet. Das Licht schwindet, während die Sonne sich aufs Meer herabsenkt.

Skia: Nehmen wir Abschied voneinander, ehe die Nacht hereinbricht. Lieber Platon, ich kenne keine Trauer, weil ich keine Erinnerung habe. Obwohl Skia, mein Name, auch „Spur“ bedeutet, wirst du an mir keinerlei Zeichen entdecken. Ohne Gedächtnis kann ich niemanden hinters Licht führen — was ich sage, ist über jeden Verdacht erhaben.

Platon: Ich glaube, ich habe die Bedeutung der Schatten nun verstanden. Ihr seid wahrhaft ungewöhnliche Erscheinungen.

Skia: Wir sind ungewöhnliche Erscheinungen, weil wir uns auf halbem Weg zwischen Wahrnehmung und Denken aufhalten. Jeder Schatten enthält eine Botschaft, die er in seiner dunklen Hülle gut verwahrt. Wir Schatten sind voller Gedanken — doch diese Gedanken sind für jedermann sichtbar.

Die Sonne versinkt im Meer. Skia löst sich von Platons Körper und fliegt stumm davon. Er gleitet über die Häuser hinweg und streckt sich über die Berge hinter Athen.

  • nicht datierbar — Die Nacht ist der Schatten der Erde.
  • nicht datierbar — Die Mondfinsternisse werden durch den Schatten der Erde verursacht; eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt.
  • nicht datierbar — Die Erde ist nicht flach, wie die unterschiedliche Länge der Schatten am Mittag auf verschiedenen Breitengraden zeigt.
  • ca. 500 v. Chr. — Der Mond nimmt nicht wirklich ab und zu, sondern wird von der Sonne beleuchtet.
  • Aristoteles · 384–322 v. Chr. — Der Schatten der Erde auf dem Mond während der Eklipse beweist, dass die Erde kugelförmig und größer als der Mond ist.
  • Eratosthenes · 273–192 v. Chr. — Der Vergleich der Schatten an zwei Punkten desselben Breitengrades ermöglicht die Bestimmung des Erdumfangs: ca. 40 000 km.
  • Hipparch · 2. Jh. v. Chr. — Der Mond ist im Schnitt 67 Erdradien entfernt, die Sonne mindestens 490 Erdradien.
  • Theon v. Alexandria · 380 n. Chr. — Die Geometrie der Schatten beweist, dass das Licht sich geradlinig ausbreitet.
  • Galilei · 1610 — Die Schatten der aufgehenden Sonne auf dem Mond zeigen eine unebene Oberfläche; die Berge sind bis zu achttausend Meter hoch. Die Venus leuchtet nicht aus eigener Kraft und muss sich um die Sonne drehen.
  • Gassendi · 1616 — Die Silhouette des Merkur beim Durchgang vor der Sonne zeigt, dass er nur ein Sechstel der vermuteten Größe aufweist.
  • Campani · 1664 — Die Schatten zeigen, dass die bizarre Form des Saturn auf die ihn umgebenden Ringe zurückzuführen ist.
  • Grimaldi · 1665 — Die Schatten zeigen, dass das Licht sich nicht nur direkt, sondern auch durch Brechung ausbreitet.
  • Roemer · 1676 — Die Verzögerungen bei den Eklipsen der Jupitermonde zeigen, dass das Licht sich mit endlicher Geschwindigkeit ausbreitet.
  • 1761 — Der Venusdurchgang erlaubt die erste exakte Messung der Sonnenparallaxe.
  • Eddington · 1919 — Die Sonnenfinsternis zeigt, dass ein Stern leicht verschoben erscheint — die Ablenkung des Lichts durch die Sonnenmasse bestätigt Einsteins Relativitätstheorie.
  • Stephenson & Morrison · 1984 — Die Diskrepanz bei ca. siebenhundert historischen Eklipsen zeigt, dass die Erdrotation sich in 2500 Jahren um ca. eine zwanzigstel Sekunde verlangsamt hat.
  • Ein Schatten seiner selbst sein — ein blasses Abbild der früheren, lebensvollen Persönlichkeit sein
  • Um den Schatten eines Esels streiten — einen Prozess wegen einer nichtigen Angelegenheit führen
  • Mit seinem eigenen Schatten fechten — einen eingebildeten Feind bekämpfen
  • Man kann nicht über seinen Schatten springen — etwas nicht zuwege bringen, weil es nicht der eigenen Persönlichkeit entspricht
  • Dem eigenen Schatten nachjagen — etwas Sinnloses tun
  • Das Reich der Schatten — nach antiker Auffassung der Aufenthaltsort der Verstorbenen
  • Ein Schattendasein führen — ein kümmerliches, armseliges Dasein fristen
  • Die Schattenseiten des Lebens — das Unangenehme und Schmerzvolle des Daseins
  • Beschatten — jemanden heimlich verfolgen oder beobachten
  • Einen Schatten haben — geistig nicht völlig auf der Höhe sein
  • Seinen Schatten vorauswerfen — etwas wird durch Zeichen angekündigt
  • In jemandes Schatten stehen — wegen eines anderen nicht die rechte Anerkennung finden
  • Jemanden in den Schatten stellen — die Leistung eines anderen übertreffen

Sprechen wir von Schatten, denken wir vor allem an den Umriss, der auf eine Fläche projiziert wird. Der Begriff bezeichnet aber auch andere damit verknüpfte Phänomene:

  • Geworfener Schatten — Der Schatten im eigentlichen Sinn — der Umriss, die bloße Form.
  • Schlagschatten — Ein durch grelle Beleuchtung entstehender Schatten, heftig und wuchtig, mit extremem Helligkeitsunterschied. Die nachgezeichnete Umrisslinie steht am Beginn der Malerei.
  • Eigenschatten — Der nicht beleuchtete Teil eines Gegenstandes.
  • Schattierung — Der nicht beleuchtete Teil eines Gegenstandes auf einer Zeichnung oder einem Gemälde.
  • Schattenlinie — Die Trennlinie zwischen Licht und Schatten. Je nach Schärfe der Lichtquelle unterschiedlich breit bis verschwimmend.
  • Schattenbereich — Der dunkle Raum hinter einem beleuchteten, undurchsichtigen Objekt — der „Körper des Schattens“. Im Theater wird er durch die Leinwand begrenzt und dadurch quasi zerschnitten.
  • Kernschatten — Ein scharf umrissener, schwarzer Schatten, der durch einen punktförmigen Beleuchtungskörper entsteht. Selten, da die meisten Lichtquellen flächig sind.
  • Halbschatten — Der graue Rand um den Kernschatten, erzeugt durch flächige Leuchtkörper wie Sonne, Kerzen oder Glühbirnen. Bei der Erde sprechen wir von Dämmerung; den Kernschatten der Erde nennen wir Nacht.
  • Schadografie — Eine von Henry Fox Talbot erfundene Vorstufe der Fotografie: lichtempfindliches Papier wird mit flachen Materialien belegt und die freien Stellen vom Tageslicht eingeschwärzt.
  • Silhouette — Das, was wir von einem Körper sehen, der sich zwischen uns und die Lichtquelle schiebt.

„Die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut.“ — Genesis 1,2

„Der Schatten ist ein Wunder des Geistes.“ — Casati

„Sehr viele kenne ich, die sich vor dem Schatten mehr fürchten als vor dem, was den Schatten wirft.“ — A. B. Yehoshua

„Life’s but a walking shadow.“ — William Shakespeare

„Eines Schattens Traum ist der Mensch.“ — Pindar

„Wenn du meinem Schatten unter deinem versteckst, gibt es meinen trotzdem noch, weil er wieder da ist, wenn du weggehst.“ — Carlotta, 9 Jahre

„Alle Schatten erzählen von der Sonne.“ — Unbekannt

„Die Sonne hat einzig ein ungetrübtes Bild von der Welt, weil sie nie erblickte den Schatten.“ — Goethe

„Der Schatten ist mehr als die Unfähigkeit des Lichtes, um die Ecke zu leuchten.“ — Götz

„Der Schatten ist die sichtbare Form der Seele.“ — Casati

„Die Essenz des Schattens gegenüber anderen Bildern ist seine Lebendigkeit im Hier und Jetzt.“ — Götz

„Geheime Welten leben in den Dingen, hält man nur ein Licht hinein!“ — Unbekannt

„Die Welt ist der Schattenwurf Gottes.“ — Noto Soeroto

„Der Schatten hat mehr Macht als das Licht, denn er kann das Licht abschaffen und die Körper vollends des Lichtes berauben.“ — Leonardo da Vinci

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